
Bericht aus der DZ vom 03.02.2009:

Sie wollen schwächere Schüler gemeinsam unterstützen:
Petra Blumentritt, Leiterin des DEB in Plattling (v.l.), Teamleiterin Monika Wagner von der Agentur für Arbeit, der Deggendorfer Schulamtsdirektor Wilhelm Lindinger, stv. Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Deggendorf, Udo Karro, Berufseinstiegsberaterin Hildegard Himpsl , Helmut Lang vom Sachgebiet Förderschulen von der Regierung von Niederbayern und Katja Ferstl, Berufseinstiegsberaterin an der Hauptschule St. Martin. (Foto: Heinritz)
Plattling.
Vitamin B für Schüler, die sonst über keine Beziehungen verfügen - so hat der stellvertretende Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Deggendorf, Udo Karro, ein Modellprojekt der Agentur für Arbeit beschrieben, das gezielt schwache Absolventen von Haupt- und Förderschulen unterstützen soll. Vertreter der Agentur für Arbeit, der beteiligten Schulämter und Schulen gaben gestern den Startschuss für das Projekt - und zwar in den Räumen des Deutschen Erwachsenenbildungswerks (DEB) im Isar Park, das als Träger des Modellprojekts fungiert.
Fünf Schulen
wurden ausgewählt
Acht so genannte Berufseinstiegsberater kümmern sich ab sofort gezielt um Schüler mit Förderbedarf. Gemeinsam mit den Schulämtern wurden fünf Schulen im Zuständigkeitsbereich der Agentur für Arbeit Deggendorf ausgewählt. Es sind die Hauptschule St. Martin in Deggendorf, die Herzog-Ludwig-Hauptschule Bogen, die Hauptschule Viechtach, die Volksschule St. Josef Straubing und die Förderschule Am Weinberg in Regen.
„Es wurden die Schulen mit dem größten Unterstützungsbedarf ausgewählt, vor allem diejenigen mit Schülern mit Migrationshintergrund“, erläuterte Teamleiterin Monika Wagner, bei der Arbeitsagentur zuständig für Ausbildung und jetzt auch für die Organisation des Projekts. Bundesweit sind 1000 allgemeinbildende Schulen, die zum Hauptschulabschluss führen, sowie Förderschulen ausgewählt worden. Das Deutsche Erwachsenenbildungswerk ist Träger des Projekts, das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales ausgeht.
Die Psychotherapeutin Hildegard Himpsl und die Diplompädagogin Katja Ferstl kümmern sich ab sofort um 30 Achtklässler an der Hauptschule St. Martin, weitere 30 Schüler sollen ab August betreut werden. 20 Teilnehmerplätze sind pro Schule vorgesehen, doch das Kontingent kann je nach Bedarf flexibel hin- und hergeschoben werden.
Für Udo Karro sollen die Berufseinstiegsbegleiter die Rolle eines Paten einnehmen. Ziel sei die „individuelle Unterstützung“ der Schüler beim Übergang von der Schule in die Ausbildung. Dazu gehöre die Stärken-Schwächen-Analyse, die Unterstützung bei der Berufsorientierung und -wahl, beim Schreiben von Bewerbungen und bei der Arbeitsplatzsuche. Die Berufseinstiegsbegleiter sollen Hilfestellung bei Problemlagen und Krisen geben, in Kontakt mit Lehrern und Eltern bleiben und die Jugendlichen noch ein halbes Jahr an seiner Ausbildungsstelle begleiten. Denn auch dort könne es oft noch zu Schwierigkeiten kommen.
Die Berufseinstiegsbegleiter setzen in der Vorabgangsklasse ein. Das Modellprojekt ist vorerst bis 2012 befristet mit einer Option bis 2014. Es wird vom Bundessozialministerium evaluiert. Dieses berichtet dem Bundestag über den Erfolg, erstmals Ende 2010 und abschließend 2014.
Schulamtsdirektor Wilhelm Lindinger begrüßte dessen Einführung ausdrücklich: „Ich erwarte mir sehr viel davon. Wir haben gesehen, dass es nicht geklappt hat, das mit dem Ehrenamt abzudecken. Es hat sich kaum jemand dafür gefunden. Die ausgewählten Schulen können sich glücklich schätzen.“
In der Diskussion wurden viele Fragen laut. Helmut Lang vom Sachgebiet Förderschule an der Regierung von Niederbayern, wollte wissen, wie die zahlenmäßige Begrenzung vertretbar sei. Die Plätze reichen derzeit locker aus, antwortete ihm Monika Wagner. Zudem gebe es keinen Anspruch auf Teilnahme, da es sich um ein Modellprojekt handle. Der Straubinger Schulamtsleiter Ulrich Pannermayr betonte, es bleibe hoffentlich nicht beim Reden über Konzepte, sondern es werde nah am Schüler gearbeitet.
Wilhelm Lindinger wollte wissen, welche Vorbereitung die künftigen Berufseinstiegsbegleiter auf ihre Aufgabe bekommen hätten. Petra Blumentritt zufolge haben alle Mitarbeiter bereits Erfahrung in der Arbeit mit Jugendlichen. Wie das Ganze praktisch aussehen wird, hängt zum Teil von den Schulen selbst ab. In der Regel würden die Berufseinstiegsberater einen Besprechungsraum an der Schule nützen können. Vieles werde sich im Lauf der Zeit noch ergeben. „Wir betreten Neuland“, kommentierte Udo Karro die Diskussion. In erster Linie sei wichtig, dass die Berufseinstiegsberater möglichst schnell einen „guten Draht“ zu den ausgewählten Schülern bekommen, fasste Wilhelm Lindinger zusammen.
Von Sabine Heinritz